Viral Marketing

Der rasante Internet-Boom der letzten Jahre eröffnet völlig neue Möglichkeiten, potentielle Kunden zu erreichen, Produkte bekannt zu machen und Informationen zu streuen. Speziell über das sogenannte virale Marketing werden neue Wege der Werbung und der PR möglich, deren Effektivität im Vergleich zum Aufwand verhältnismäßig hoch ist.

Der Begriff virales Marketing geht auf die Gründer der Firma Hotmail zurück. Ihre grandiose Idee, mit jeder Mail Werbung für sich zu machen, verschaffte ihnen innerhalb kurzer Zeit einen riesigen Kundenkreis. Ohne viel Aufwand verbreitete sich die Botschaft, dass Hotmail ein erfolgreicher Anbieter für Mailverkehr ist, fast wie von selbst, vergleichbar mit einem biologischen Virus, dessen Ausbreitung immer größere Kreise zieht. .

Als virales Marketing wird mittlerweile die Form der Werbung bezeichnet, bei der durch soziale Netzwerke und Medien auf eine bestimmte Dienstleistung oder Marke aufmerksam gemacht wird. Das Spezielle bei dieser Vorgehensweise ist, dass eine Nachricht nicht auf direktem Weg die Aufmerksamkeit auf ein neues Produkt oder auf eine Kampagne lenkt, sondern meist in hintergründiger und ungewöhnlicher Form.

Die Nachricht oder Werbebotschaft wird bei dieser Form des Marketings über Beiträge in Internetforen oder Blogs publiziert und weitertransportiert. Der Begriff viral beschreibt dabei die Besonderheit, dass Informationen über eine Marke oder ein neues Erzeugnis innerhalb kürzester Zeit weitergetragen werden, genauso wie das bei der Verbreitung von biologischen Viren der Fall ist. Wie bei der sogenannten Mund-zu-Mund-Propaganda werden Vorzüge und Erkenntnisse über bestimmte Produkte im Schneeballsystem verteilt.

Ziel von viralen Marketingkampagnen ist weniger der direkte ökonomische Nutzen, als vielmehr der Zuwachs an Image, die Aquisition von Kunden, die Kundenzufriedenheit und die Kundenbindung. Ein sehr wichtiger Punkt, der über virales Marketing hervorragend erreicht werden kann, ist der Bekanntheitsgrad von Unternehmen, von Marken und von neuen Erzeugnissen.
 

Oft sind die Inhalte des viralen Marketings nicht unbedingt als Werbung zu erkennen. Wenn diese Form der Online-Werbung gut konzipiert ist, sieht sie auf den ersten Blick wie ein normaler Informationsaustausch aus.

Eine Form des viralen Marketings ist das passive oder auch reibungslos (frictionless) genannte virale Marketing. Es kann direkt an die Nutzung von Produkten gekoppelt werden. Das besonders einleuchtende Beispiel für diese Variante ist die Werbung, die sich die Gründer von Hotmail einfallen ließen und bei der die Reklame für diese Firma bei jeder ausgehenden Mail angehängt war. Jeder Empfänger der Mails, die über Hotmail versandt wurden, konnte die Werbezeile lesen und erhielt gleichzeitig indirekt die Botschaft, dass der Mailversand über Hotmail gut funktioniert. Die Firmengründer Steve Jurvetson und Jim Draper erreichten das Rekordergebnis, dass bei einem vergleichsweise geringen Marketingbudget von nur 50.000 US-Dollar nach 18 Monaten über 12 Millionen Benutzer registriert waren.

Eine weitere Variation ist das aktive Marketing, bei dem die Botschaft aktiv durch Verbreiter weitergeleitet wird. Die Mund-Propaganda wird dabei gezielt angeregt, über Info-Blogs und flankierende Texte, über Diskussionen in Blogs und über ganz gezielte Kommentare. Der Kontrast zur klassischen Werbung besteht darin, dass die Empfänger nicht unvermittelt von unerwünschter Werbung bombardiert werden, die mittlerweile oft eine abstumpfende Wirkung hat. Die Nutzer haben meist Spaß an den Themen und setzen sich gerne damit auseinander.

Virales Marketing folgt offenbar bestimmten Regeln und scheint besondere Voraussetzungen zu brauchen, um erfolgreich zu sein. So sollte das Angebot besonders nützlich und interessant sein und möglichst die Erwartungen der Konsumenten übertreffen, und die Geschichte über das Produkt sollte sich leicht weitererzählen lassen. Nur dann kann die Idee funktionieren, dass Nutzer ihre Freunde für ein neues Angebot begeistern.

Eine Möglichkeit besteht darin, die Ansprache direkt und persönlich stattfinden zu lassen. Wenn sich Kunden mit authentischen Botschaften konfrontiert sehen, wirkt das weit stärker und positiver, als wenn Floskeln oder gar Unwahrheiten herauszulesen sind. Virales Marketing lebt in dieser Hinsicht vom sehr persönlich wirkenden Austausch zwischen Unternehmern und Nutzern. Wenn beispielsweise eine Firma, die Bio-Säfte produziert, regelmäßig durch einen Blog über ihre Produkte informiert, kann das der Beginn einer effektiven viralen Marketingkampagne sein, wie Beispiele zeigen.

 
Der Netzwerkeffekt ist beim viralen Marketing ganz besonders spürbar. Produkte, die sich direkt für Vernetzungsaktionen eignen, beispielsweise Skype, profitieren offenbar besonders stark vom Effekt der Mund-Propaganda, denn jeder Nutzer hat ein eigenes persönliches Interesse, dass in seinem Umfeld dieses Produkt Verbreitung findet. Ein hochzufriedener Kunde wird selbstverständlich neue Nutzer ansprechen, sodass das Bedürfnis nach diesem Erzeugnis immer weitere Kreise zieht.

Mundpropaganda, auch Word-of-Mouth genannt, gilt als informelle und wertende Meinungsäußerung zwischen Verbrauchern. Sie bedeutet Austausch über Themen wie Erzeugnisse, Marken, Unternehmen und Dienstleistungen. Eine Form dieses Phänomens findet auch im Web statt, wenn in Meinungsportalen Rezensionen, in Online-Shops Produktbewertungen und Erfahrungsberichte in Social Media Plattformen kursieren. Damit soll erreicht werden, dass in den entsprechenden Zielgruppen ein möglichst positiver Austausch über das Erzeugnis, den Anbieter oder die Marke stattfindet. Dadurch wird ein Anstieg der Bekanntheit erwartet und ein Aufbau des Images erhofft. Das Interesse soll geweckt werden für unterschiedliche Waren und Dienstleistungen.

Virales Marketing eignet sich besonders gut für junge Unternehmen mit einem kleinen Werbebudget, denn der Aufwand für diese Art von Reklame ist minimal, der Erfolg ist dabei vergleichsweise groß.

Verschiedene PR-Firmen haben sich mittlerweile auf virale Marketingkampagnen spezialisiert und lassen gezielt Infos über beworbene Aktionen im Netz verbreiten, beispielsweise mit gekonnt platzierten Videos. Ein Beispiel sind Seeding-Agenturen, die Starthilfe für professionell angelegte virale Kampagnen anbieten. Der Begriff Seeding kommt von dem Wort säen und bedeutet in diesem Zusammenhang, dass gezielt Inhalte gestreut werden. Eine Seeding-Agentur verbreitet Themen, Inhalte und Informationen im Internet und sorgt dafür, dass diese schnell weitergereicht werden. 

 

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